Patientensicherheit

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass weltweit Millionen Menschen als direkte Folge medizinischer Behandlung sterben oder geschädigt werden. Viele dieser Fälle wären zu verhindern gewesen (vgl. WHO 2008, S.1).
Die Patientensicherheit ist dann gewährleistet, wenn die Behandlung eines Patienten den im jeweiligen Gesundheitssystem medizinisch bestmöglichen Therapieerfolg erzielt und eventuell auftretende unerwünschte Behandlungsfolgen sich vermeiden lassen. Unter dem Begriff unerwünschte Ereignisse (adverse events) sind die Schädigungen eines Patienten zusammengefasst, die in direkter Folge der durchgeführten medizinischen Behandlung entstanden sind und ihn oder sie dauerhaft oder zeitweilig beeinträchtigen und somit eine Verlängerung der Behandlung oder finanzielle Verluste zur Folge haben. In jedem Fall, in dem so ein unerwünschtes Ereignis eintritt, das auf einen technischen Defekt, Irrtum, Fehler oder Verstoß zurückzuführen ist, liegt ein vermeidbares unerwünschtes Ereignis vor (preventable adverse event). In diesen Fällen ist die Patientensicherheit verletzt worden – zum Teil mit dramatischen Folgen für alle am Behandlungsprozess Beteiligten.

Für den Bereich des deutschen Krankenhauswesens geht der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen jährlich von bis zu 1,7 Millionen unerwünschter Ereignisse aus, wovon zwischen 340.000 und 720.000, (davon 17.000 Todesfälle) als vermeidbar gelten (vgl. SVR 2007, S. 243 ff). Der ambulante Bereich ist bei diesen Zahlen allerdings noch explizit ausgeklammert.

 

Allein in Deutschland kann also pro Jahr bis zu 720.000 Patienten und ihren Angehörigen vermeidbares Leid, Schmerzen, zusätzliche Aufenthaltstage und weitere Behandlung erspart bleiben – wenn passende Maßnahmen zur Erhöhung der Patientensicherheit ergriffen und umgesetzt werden.

Das Spektrum vermeidbarer unerwünschter Ereignisse reicht von den Folgen medikamentöser Behandlung, Verletzungen durch nicht sachgerecht verwendete Medizinprodukte über Fehler im Behandlungsteam zu Dekubiti, Stürzen und nosokomialen Infektionen (vgl. WHO 2008, S. 13 ff).

Die Ursachen dieser Ereignisse lassen sich häufig auf Sicherheitslücken bzw. latent unsichere Strukturen in der Organisation und Führung des Gesundheitsbetriebes zurückführen. Sie sind direkt oder indirekt dem Faktor Mensch zugeordnet („Human Factor“).